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Barnim: Unbedingt in der Familie darüber sprechen

Pressemeldung vom 30. Mai 2011, 15:12 Uhr

Organspende aus Solidarität
Experte rät

Beim Aktionstag „Barnimer spenden Leben“ am 15. Juni 2011 geht es um Spenden, bei denen die Spender buchstäblich etwas „von sich“ geben. Dazu gehört neben der Blutspende und Stammzellspende die Organspende. Dr. Claus Wesslau, der bis November Geschäftsführender Arzt der Region Nord-Ost der Deutschen Stiftung Organtransplantation war, möchte helfen, Vorurteile gegenüber der Organspende abzubauen.
Wie viele Organe werden jährlich gespendet? Und reicht das, um alle Patienten zu versorgen, die eines brauchen?
Im Jahre 2010 wurden 4205 Organe gespendet und transplantiert. Aber es sind nicht einmal annähernd genug, um alle Menschen zu versorgen, die auf einer Warteliste stehen. Auf der deutschen Warteliste für Organe stehen momentan etwa 12.000 Menschen. Täglich sterben drei von ihnen, weil sie nicht rechtzeitig eine Spende bekommen haben.
Die Ursache dafür ist der Mangel an Spenderorganen. Im Akutfall lehnen etwa 50 Prozent der befragten Angehörigen die Spende ab. Warum fällt es den Angehörigen so schwer, das für ihren Toten zu entscheiden?
Bei den meisten Angehörigen geschieht das aus Unsicherheit. Sie wissen nicht, wie das Familienmitglied zu Organspenden stand und möchten nichts bestimmen, was der Tote nicht auch gewollt hätte. Deshalb rate ich jedem, mit der Familie oder engen Freunden darüber zu sprechen, so dass sie im Notfall die Entscheidung weitergeben oder leichter entscheiden können, ob sie eine Spende zulassen. Natürlich kann man auch einen Organspendeausweis ausfüllen, das geht ab 16 Jahren.
Was kann dabei helfen, sich für eine Organspende zu entscheiden?
Das sollte der Gedanke der Solidarität sein. Jeder Mensch kann in die Situation kommen, dass er ein Spenderorgan braucht. Und wenn das eigene Leben nicht mehr zu retten ist, kann man mit einer Organspende trotzdem noch etwas Gutes für andere tun. So sehen es auch die großen Weltreligionen. Die christlichen Kirchen etwa betrachten Organspende als „einen heiligen Akt der Nächstenliebe“.
Viele Menschen haben Angst, im Notfall nicht ausreichend behandelt zu werden, wenn sie einen Organspendeausweis in der Tasche haben…
Wenn ein Mensch mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert wird, ist es keinesfalls so, dass die Ärzte als erstes überlegen, ob es sich um einen potentiellen Organspender handeln könnte oder nicht. Im Krankenhaus versuchen wir Leben zu retten. Erst wenn eine Rettung wirklich aussichtslos ist, und zwei Ärzte unabhängig voneinander festgestellt haben, dass der Hirntod eingetreten ist, wird darüber nachgedacht, ob dieser Mensch Organe spenden könnte. Und erst dann wird mit seinen Angehörigen darüber gesprochen.
Wann ein Organ zur Verfügung steht, lässt sich nicht planen. Wie kommen Spender und Empfänger zusammen?
Den Körper eines Hirntoten halten wir durch Geräte weiter am Leben. Die medizinischen Merkmale der möglichen Spenderorgane senden wir an Eurotransplant. Diese Internationale Stiftung vergleicht die Merkmale und Werte des Spenders mit denen von Menschen auf der Warteliste. Wenn jemand gefunden wird, bei dem alles passt, wird die Transplantation vorbereitet.
Und dann kann es sein, dass der Spender in Eberswalde liegt und die Empfängerin im Krankenhaus in München?
Ja und das sind in der Tat logistische Herausforderungen. Die Organe haben eine bestimmte Haltbarkeit. Ein Herz muss innerhalb von vier Stunden transplantiert werden, eine Leber in unter zehn Stunden und eine Niere in 24 Stunden. Das heißt, dass die Entnahme, der Transport und die Transplantation im Vorfeld ganz genau abgestimmt sein müssen.
Spielt das Alter der Spender oder der Empfänger eine Rolle?
Ja, in gewisser Weise schon. Wir achten auf das Alter. Junge Menschen bekommen möglichst die Organe von jungen Menschen und bei älteren Menschen ist es genau dasselbe. Es kommt aber auch auf den Zustand der Organe an. Wir hatten einmal eine 84-jährige Spenderin mit einer wirklich guten Niere.
Wie sind die Chancen, dass eine Transplantation für den Patienten gut ausgeht?
Es ist schwierig, das einzuschätzen. Aber statistisch gesehen, überleben 80 bis 90 Prozent der transplantierten Organe die ersten fünf Jahre. Auch 20 Jahre sind möglich. Die Patienten müssen jedoch ständig Medikamente nehmen, damit ihr Körper das Spenderorgan nicht abstößt, es bleibt trotz allem ein Fremdkörper.
Kann man die Familie des Spenders beziehungsweise den Empfänger kennen lernen?
Nein, in Deutschland ist das untersagt. Aber der Empfänger kann seinen Dank für die Organspende an den unbekannten Spender oder seine Angehörigen weiterleiten.

Quelle: Landkreis Barnim / Pressestelle

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