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Königs Wusterhausen: Friedrich Schorlemmer – „Wohl dem, der Heimat hat“

Pressemeldung vom 6. Juni 2013, 15:16 Uhr

Die kleine Stadt Werben liegt an der Elbe. Prachtvolles Elbtor, schreckenumwobener Hungerturm, alles überragende Johanniskirche, geschlossener Marktplatz, gotisches Kleinod Salzkirche, Reste der alten Stadtmauer, die die freien Bürger der Hansestadt im malerischen Elbwinkel umschloss.
Dort wurde Friedrich Schorlemmer im Mai 1944 geboren. Sein Vater befand sich in amerikanischer Kriegsgefangenschaft in Frankreich und erfuhr erst spät von der Geburt seines Sohnes.
In seinem neuen Buch „Wohl dem, der Heimat hat“ schreibt Schorlemmer über sein Leben und seine Erlebnisse. Wohl dem, der Heimat hat und sagen kann, was seine Herkunft prägt, ob eine geistige, eine religiöse, eine geographische, eine landsmannschaftliche, eine naturbezogene oder eine sprachliche.
Dies ist ein stilles Buch. Geschrieben in Ruhe und friedlich dahin fließend wie die Elbe in der Nähe der Stadt Werben.
Was macht Heimat aus? – Die Menschen, der Lebensraum, die Erfahrungen, die man gemacht hat und mit einem Ort und einer Zeit verbindet.
Schorlemmer fragt auch nach der himmlischen Heimat, schließlich ist er Theologe: „Geht der Menschen ins Nichts oder geht er heim, wenn er geht?“.
„Heimat – Herkunft erkennen, bejahen, überschreiten“ – Die Überschrift des zweiten Abschnitts ist programmatisch für das gesamte Buch. Immer wieder rekapituliert Schorlemmer die DDR-Geschichte von ihren Anfängen bis zu ihrer Auflösung und ihrem Aufgehen in der Bundesrepublik Deutschland 1990. Die Geschichte der DDR ist auch seine Geschichte, als Theologe und Friedenskämpfer, als Oppositioneller und als Teil des Demokratischen Aufbruchs in der Wendezeit.
Interessant ist auch der letzte Teil des Buches mit dem Titel „Heimat zwischen Gärten und Wüsten, zwischen einsam und gemeinsam“, in dem Schorlemmer die Rolle der Kirche innerhalb der Friedensbewegung der DDR noch einmal Revue passieren lässt. „Schwerter zu Pflugscharen“ war die der Bibel entlehnte Parole der Friedensbewegung, und ihre Anhänger wollten aus dem „Feld der Ehre“ friedliche Ährenfelder machen.
Die Lektüre dürfte vor allem für ostdeutsche Leser mit einem leisen Gefühl der Wehmut, des Stolzes und einem ganzen Bündel wachgerüttelter Erinnerungen verbunden sein. Der westdeutschen Leserschaft bietet Schorlemmers Buch neben den allgemein philosophischen und theologischen Impulsen zum Thema „Heimat“ vor allem einen kristallklaren Augenzeugen-Bericht über 40 Jahre DDR-Geschichte aus der Sicht eines oppositionellen Intellektuellen und Geistlichen.
Ein Buch, das als eine Verständigungshilfe zwischen Ost und West dienen kann, die auch zwanzig Jahre nach der Wende noch nötig ist, um die Mauer in den Köpfen zum Einsturz zu bringen.
Bei der Lektüre wird klar, dass Heimat ein Begriff ist, mit dem Deutsche in Ost und West dasselbe verbinden: einen Ort, an dem das Herz zu Hause ist und aus dem heraus der Mensch Kraft schöpfen und sein Leben gestalten kann.

Quelle: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Königs Wusterhausen

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