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Oranienburg: Kulturland-Lesung und Ausstellungseröffnung im Schloss

Pressemeldung vom 29. Oktober 2010, 15:07 Uhr

Zum 62. Jahrestag der Reichspogromnacht

Mit einer ganz besonderen Veranstaltung geht das Kulturland-Jahr 2010 zu den „Starken Frauen“ endgültig in die Zielgerade: Anlässlich des 62. Jahrestages der Reichspogromnacht referiert der Lehnitzer Historiker Bodo Becker über die Leiterin des Jüdischen Erholungsheims Lehnitz, Frieda Glücksmann, einer außergewöhnlich starken Frau in der Geschichte von Oranienburgs Ortsteil Lehnitz.

Der Vortrag am 6.11, um 16 Uhr im Schloss Oranienburg, Haus 1, Konferenzraum 1.201, ist zugleich die Eröffnungsveranstaltung für eine Ausstellung mit Originaldokumenten im angrenzenden Flur.

Das „Jüdische Erholungsheim Lehnitz“ am nördlichen Eingang von Lehnitz war bis 1938 in dem Gebäude beherbergt, das Spaziergängern am Nordeingang nach Lehnitz sofort wegen seiner Größe und Architektur auffällt. In den Jahren nach 1933 entwickelte sich hier jüdisches Leben, wie man es sich unter den Bedingungen der antijüdischen Verfolgungs- und Terrorpolitik heute nur noch schwer vorstellen kann. Es ist das Verdienst von Frauen, Männern und Jugendlichen, die hier mit dem „Jüdischen Erholungsheim Lehnitz“ eine Enklave, umgeben von einer feindlichen Umwelt, schufen.

Herausragende Persönlichkeit war die Leiterin des Heimes, Frieda Glücksmann, von ihren Schülerinnen achtungsvoll „Fürstin von Lehnitz“ genannt. Mit seinen Funktionen als Erholungsheim, Kinderheim, Hauswirtschaftsschule und Tagungszentrum besaß die Einrichtung eine weit über die Region hinaus reichende Bedeutung für den Überlebenskampf der deutschen Juden.

Durch glückliche Umstände existieren noch Bild- und Textdokumente, die in der Ausstellung im Schloss zu sehen sind. Der Vortrag Bodo Beckers wird aus Briefen und anderen persönlichen Dokumenten zitieren, deren Schreiberinnen und Schreiber mit großer Wahrscheinlichkeit der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik zum Opfer fielen. Sie haben dort sehr persönliche Gefühle des kurzen Glücks, der Hoffnung und bedrückenden Angst geäußert, die nicht für einen Leserkreis mit dem Wissen über die nationalsozialistischen Vernichtungslager bestimmt waren. Wenn sie hier dennoch in die Öffentlichkeit gelangen, dann nur aus dem Grund, ein Stück jüdischer Geschichte aus dem Dunkel des Vergessens zu holen und sie mahnend an unsere Zeit weiterzugeben.

Quelle: Stadtmarketing und Wirtschaftsförderung der Stadt Oranienburg

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