Energiewechsel

Rüdersdorf bei Berlin: „Wassertourismus nicht ausbremsen“

Pressemeldung vom 23. August 2016, 13:17 Uhr

Petition an Bundestag: Schleusenzeiten verlängern – Güter- und Freizeitschifffahrt gleichrangig behandeln!

Über 200 Seen sowie etliche Flüsse und Kanäle: Das Seenland Oder-Spree macht seinem Namen alle Ehre. Der Landstrich ist die wasserreichste Urlaubsregion Deutschlands. Doch für Freizeitkapitäne und sportlich Aktive ist das Ausflugsvergnügen seit Monaten getrübt. Denn die zuständige Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes verkürzte die Schleusen- Öffnungszeiten. Touristen fühlen sich ausgebremst. Die regionale Wirtschaft befürchtet Umsatzeinbußen in Millionenhöhe. Mit einer Petition an den Deutschen Bundestag wendet sich jetzt die Arbeitsgemeinschaft Wasser-Tourismus-Initiative Brandenburg Süd-Ost (AG WISO) nicht nur gegen die Verkürzung der Schleusenzeiten. „Wir fordern vom Bund, dass er Bundeswasserstraßen nicht nach ihrer Verkehrsart trennt. Güter- und Personentransport, Sport- und Freizeitschifffahrt, der Wassertourismus sowie die grenzüberschreitende Vernetzung von Revieren sollen gleichrangig berücksichtigt werden“, zitiert WISO-Chef Dr. Eckhard Fehse Auszüge aus der Petition. Zu den Forderungen gehören nutzerfreundliche Schleusenöffnungszeiten. Bei einem Vor-Ort-Termin an der Schleuse Wendisch Rietz machten Vertreter der AG WISO am Mittwoch ihrem Ärger Luft. Die Schleuse liegt auf der Bundeswasserstraße und schließt neuerdings um 18 Uhr (Montag – Donnerstag) bzw. 19 Uhr (Freitag – Sonntag). Noch drastischer sind die Einschnitte an den Schleusenanlagen in Fürstenwalde und Wernsdorf, die nun sogar an Wochenenden früher dicht machen: statt 20 Uhr nun schon um 18 Uhr. „Unser Problem ist, dass Touristen nicht um 18 Uhr oder 18.30 Uhr ins Bett gehen“, moniert Dr. Eckhard Fehse, auch Vorsitzender des Tourismusverbandes Seenland Oder-Spree. Im Namen der AG WISO fordert er in der warmen Jahreszeit die Verlängerung der Schleusen-Öffnungszeiten bis zum Sonnenuntergang. Laut Ellen Rußig, Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Seenland Oder-Spree, erwirtschafte der Tourismus-Sektor der Region jährlich 1,1 Milliarden Euro Umsatz. In der Branche seien rund 25000 Menschen beschäftigt. Eckhard Fehse legte weitere Zahlen auf den Tisch: So wolle der Bund an Schleusen offenbar Personalkosten sparen, schöpfe aber gleichzeitig Bundesmittel für Schleusenanlagen nicht aus. So seien etwa im Jahr 2012 statt vorgesehener rund 500 Millionen Euro nur 145 Millionen Euro „abgerufen“ worden; 2014 waren es rund 417 Millionen Euro, statt der avisierten 605 Millionen Euro. Fehse: „Solche Quoten sind eine Katastrophe. Würden wir in den Verwaltungen so arbeiten, würden uns die Leute davonjagen.“

Bundeswasserstraßen würden vom Bund ihrer touristischen Bedeutung nach stiefmütterlich behandelt, kritisiert Ellen Rußig. Beim Unterhalt der Trassen dürfe zukünftig keine Rolle spielen, ob die Wasserwege eher der Güter- oder Freizeitschifffahrt dienen. Doch genau das plane das Bundesverkehrsministerium. In Berlin habe man ohnehin seine „Hausaufgaben“ nicht gemacht, legt die Petition nahe. Der aktuelle Bericht „Wassertourismuskonzept des Bundesministeriums für Verkehr und Infrastruktur“ erfülle nicht die Vorgabe aus dem Koalitionsvertrag, ein Konzept der Bundesregierung vorzulegen, das auf nachvollziehbaren Kriterien beruht. Nicht nur Ausflügler, auch Einheimische, bekommen laut AG WISO die Auswirkungen kürzerer Schleusen-Öffnungszeiten zu spüren: „Nach Feierabend noch mit dem Boot rausschippern – das verliert an Attraktivität“, so eine Einwohnerin beim Lokaltermin Mitte der Woche in Wendisch Rietz. Ellen Rußig: „Der Wassertourismus darf nicht ausgebremst werden!“ Unterschriftenlisten zur Petition liegen ab sofort öffentlich aus – u.a. in Tourist-Informationen, Rathäusern, aber auch auf Events, wie Brandenburgtag (3.-4. September, Hoppegarten), Landeserntefest (10. September Beerfelde), Rad-Scharmützel (4. September, Bad Saarow). Bundesweit soll das Papier der Deutsche Tourismusverband publik machen. Vom 1. – 28. September 2016 wird die Petition außerdem ins Onlineportal des Deutschen Bundestages eingestellt. Findet die Petition mindestens 50000 Unterstützer, muss sich der Petitionsausschuss des Bundestages in öffentlicher Sitzung mit deren Inhalt befassen. Weitere Informationen: www.ag-wiso-brandenburg.de

Quelle: Gemeinde Rüdersdorf bei Berlin

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