Energiewechsel

Spremberg: Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn würdigt Aufbauleistungen für das Kombinat Schwarze Pumpe und die Neustadt Hoyerswerda

Pressemeldung vom 24. Mai 2011, 17:11 Uhr

Erwartungsvolle Stimmung herrschte unter den rund 400 Anwesenden, als Bundespräsident Christian Wulff die zum dritten Mal in ihrer siebzehnjährigen Geschichte völlig neu gestaltete Dauerausstellung zum Thema „Unsere Geschichte – Deutschland seit 1945“ eröffnete. Der dafür gewählte 23. Mai 2011 hatte Symbolkraft – er war der 62. Jahrestag der Verkündung des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland, der Verfassung nun aller Deutschen.
Die neue Dauerausstellung im Museum „Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland“ soll eine Begegnung mit der Geschichte Deutschlands seit 1945 für alle sein. Und sie ist es. Eine sehr gelungene Sache.
Für den wirtschaftlich-industriellen Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg in West und Ost wird klar herausgestellt – es gab zwei völlig unterschiedliche Wege. Im Westen ging es nach den von Ludwig Erhard neu beschriebenen Wegen der „Marktwirtschaft“ voran. Im Osten nach 5-Jahrplänen, Direktiven der Regierung, anderen zentralen Verfügungen – eben nach den Methoden der „Planwirtschaft“. Und diese Methoden waren Ende der vierziger, vor allem in den fünfziger Jahren nicht ohne Erfolg.
Der Aufbau des Kombinates Schwarze Pumpe in der Spremberg-Trattendorfer Heide und der Neustadt Hoyerswerda ist ein prägender Teil dieses Weges in den fünfziger und sechziger Jahren. Die ausgestellten Originaldokumente beweisen das. Von der „Direktive des Ministerrates zum Aufbau von Schwarze Pumpe“ einschließlich der Tagebaue Nochten, Welzow und Burghammer und der neuen Wohnstadt in Hoyerswerda über den 1. Fünfjahrplan (Original in Leder, DIN A5) bis zum ersten Briketts am 01. Mai 1959 (das Original trägt natürlich die Aufschrift „Flamme des Sozialismus“) sind gerade 5 Jahre vergangen. Da waren durch zehntausende Bauarbeiter auch schon sechs Milliarden Mark investiert und die Heide südlich vor Spremberg „völlig umgekrempelt“. Die begleitenden Originalfilmausschnitte zeigen das sehr beeindruckend. Der erste große Abschnitt des „Kokskombinates Schwarze Pumpe – Telefon Spremberg“ (Original!) war aufgebaut. Die „Planwirtschaft“ hatte funktioniert. Beim Studium der Dokumente dachte man zwangsläufig an heutige Zeiträume für Genehmigungsverfahren.
„Ansporn“ trägt das zentral in die Ausstellung eingefügte Bild als Titel; Alfred Tröger ist der Maler und das Stadtmuseum Hoyerswerda der Dauerleihgeber. Ansporn wurde geweckt, an allen Stellen.
Die Dokumente beweisen es. Das große, rote Wettbewerbsbanner von der Baustelle „Kombinat Schwarze Pumpe“ (ebenfalls aus dem Hoyerswerdaer Stadtmuseum ausgeliehen), die vielen kleineren und größeren Orden und Ehrenzeichen, Urkunden, Brigadebücher – alle zeigen – Ansporn sollte „Berge versetzen“. Stolz stellen Frau Koß, heute in Kamenz lebend, ihre „Erbauernadeln Kombinat Schwarze Pumpe“ in Bronze, Silber und Gold vor, die Markscheider ihr Brigadebuch und Rico Angermann seine Aktivistenurkunde aus. Der Traditionsverein „Glückauf Schwarze Pumpe“ hat alles zusammengetragen.
Ehrgeiz und Ansporn wurde auch geweckt bei den Planern für die Neustadt in Hoyerswerda. Das zeigen der aus dem Deutschen Bundesarchiv stammende Originalbebauungsplan vom 16. April 1956 und der dazugehörige Original-Erläuterungsbericht „Zum Stadtbebauungsplan und Städtebaulichen Programm“ vom 19. Juni 1957.
Wie wir heute noch das WK I und WK II in der Neustadt in Erinnerung haben (der Aufbau wird mit schönen Bildern gezeigt) – die Planer wollen Wohnen, Kindereinrichtungen, Schulen, Kaufeinrichtungen und Gastronomie – alles als soziale Einheit. Und das Bild rundet Jürgen von Woyskis Plastik „Kinderreigen“ ab – das junge Hoyerswerda und seine Kinder. Vielen Dank an die von Woyski-Stiftung für die Dauerleihgabe.
Die Besucherdelegation aus der Region, Herr Dr. Schulze, Bürgermeister der Stadt Spremberg, Herr Dr. Herbert Richter, langjähriger Generaldirektor des Gaskombinates Schwarze Pumpe, Herr Dr. Vetter, der Leiter des Stadtmuseums Hoyerswerda und die beiden Organisatoren aus dem Traditionsverein, Frau Opitz und Herr Dr. Seifert, waren sich einig – die Arbeit tausender Menschen aus ganz Deutschland, vor allem aber auch aus der Region Spremberg-Hoyerswerda, hat auf rund 15 m² Ausstellungsfläche für die nächsten 10 Jahre in der Dauerausstellung einen würdigen Platz gefunden. Das steht stellvertretend für den Aufbau der Schwerindustrie in ganz Ostdeutschland und demonstrativ in Verbindung und direkter Nachbarschaft mit dem schweren Weg der Landwirtschaft vom Einzelbauer zur starken LPG, und in würdiger Nachbarschaft zum Wiederaufbau des Carl-Zeiß-Kombinates und der Leipziger Messe in der Ausstellung.
Vielen Dank an den Koordinator der neuen Dauerausstellung, Herrn Prof. Dr. Hanno Sowade.
Liebe Hoyerswerdaer und Spremberger, ein Besuch lohnt sich in Bonn. Und wir müssen uns darauf vorbereiten, manche der jährlich 1 Million Besucher in Bonn wollen sicherlich in Zukunft die Originalschauplätze in der Lausitz sehen.

Quelle: Stadt Spremberg

Share on Facebook Share on Google+

 Hinweis