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Teltow-Fläming: Archäologie zum Anfassen

Pressemeldung vom 30. August 2012, 08:17 Uhr

Eine Fahrradtour durch die Jahrtausende

Eine Exkursion der besonderen Art konnte man am Freitag, dem 24. August 2012 erleben. Mit dem Fahrrad ging es zu archäologischen Fundstellen in und um Baruth/Mark. Die Idee zu dieser Tour hatten Dr. Georg Goes, Leiter des Museums Baruther Glashütte, und Kreisarchäologe Dr. Stefan Pratsch. Die Exkursion ist Teil des Begleitprogramms im Rahmen der Ausstellung „Urstrom – Kultur- und Naturgeschichte des Baruther Tals“, die derzeit im Museumsdorf Glashütte präsentiert wird.

Insgesamt acht Teilnehmer stellten sich der Herausforderung von insgesamt 26 Kilometern und radelten trotz leichten Regens zu den archäologischen Fundstellen.

Erste Station war die Altstadt von Baruth/Mark. Auf dem Schlossplatz erläuterte Stefan Pratsch die neuesten Erkenntnisse zur mittelalterlichen Stadtgründung und -entwicklung. In den vergangenen 25 Jahren gab es bei Leitungsverlegungen und Neubauvorhaben entlang der innerstädtischen Straßenzüge zahlreiche archäologische Untersuchungen. Diese belegen die Gründung des Ortes in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts – also deutlich eher als die Ersterwähnung des Ortes für das Jahr 1275.

Anhand von alten Ansichten und neuesten Grabungsplänen vom Frauenhaus erfuhren die Teilnehmer Neues zur Entstehung der Burg und deren Wandlung zum Schloss bis hin zur heutigen Schloss- und Parkanlage. Ein Rundgang durch den Keller des Frauenhauses hinterließ bei den Exkursionsteilnehmern großen Eindruck.

Anschließend ging es zur Kirche St. Sebastian. Hier wurde das Fundament des ehemaligen freistehenden Glockenturmes besichtigt und erläutert. Sogar Ortskundige hörten zum ersten Mal davon…

Im Innenraum stellte Stefan Pratsch die archäologischen Ergebnisse von Ausgrabungen vor, bei denen man etliche Münzen, Tonscherben und eine Bestattung entdeckte. Erwähnenswert ist ein Schmuckfragment, welches einen Amor mit Pfeil und Bogen darstellt. Wahrscheinlich handelte es sich um einen Ohrring aus einer Korallenschnitzerei, der anschließend vergoldet wurde.

Weiter ging es nach Paplitz, wo zwei Fundstellen besichtigt wurden. Ziel war u. a. ein Privatgrundstück. Dort hatte der Besitzer ein durchlochtes und geschliffenes Felsgesteinbeil aus der Jungsteinzeit gefunden, das seine Hühner freigescharrt hatten.

Anschließend führte Stefan Pratsch die Teilnehmer zu einer unscheinbaren Sandkuppe am Hammerfließ. Dort wurden seit 1993 etliche Feuersteingeräte entdeckt, darunter zwei so genannte Federmesser. Diese Geschossspitzen aus Feuerstein datieren in das 11. Jahrtausend vor Christus und wurden von Jägern der ausgehenden Weichseleiszeit hergestellt.

Einige Hobbyarchäologen machten sich sofort auf die Suche nach Feuersteinsplitter und konnten, angeleitet durch den Kreisarchäologen, erste eigene Entdeckungen stolz begutachten. Diese Fundstelle gilt sogar als der älteste Nachweis für steinzeitliche Jäger im heutigen Kreisgebiet. Zeit nahm sich der Archäologe auch noch für die Sichtung eigener Funde von einer besonders interessierten Hobbyarchäologin, die ihm ihre Fossilien präsentierte.

Zuletzt ging es nach Dornswalde, wo Archäologen im Jahr 2005 beim Bau der Ortsumgehung den Rand einer germanischen Siedlung des 1.-2. Jh. nach Christus gefunden hatten. Dabei wurde eine in den Boden eingetiefte Handwerkerhütte – ein so genanntes Grubenhaus entdeckt.

Zu den besonderen Funden zählten Glasscherben, importierte qualitätsvolle Keramik und der Griff eines Klappmessers. Dieser Griff ist aus einer bleihaltigen Bronze hergestellt und stellt einen Löwen dar. Derartige Handwerkerprodukte stammen aus dem römischen Reich oder den Provinzen jenseits des Rheins, die durch Tausch und Handel in die hiesige Gegend gelangten.

Die Exkursionsteilnehmer kamen nach ihrer Zeitreise durch 13000 Jahren Menschheitsgeschichte wieder wohlbehalten und mit zahlreichen neuen Erkenntnissen in Glashütte an.

Quelle: Landkreis Teltow-Fläming

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