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Teltow-Fläming: Bau- und Bodendenkmale im Landkreis

Pressemeldung vom 14. Juli 2016, 14:51 Uhr

Im Landkreis Teltow-Fläming gibt es ca. 1000 Baudenkmale sowie über 1.400 bekannte Bodendenkmale. Einige von ihnen werden im Denkmalschutzkalender 2016 vorgestellt. Ergänzend dazu erläutert die Denkmalschutzbehörde Teltow-Fläming das jeweilige Denkmal des Monats etwas näher, um den Blick des Betrachters einmal mehr für bewahrenswerte Bauten der Region zu schärfen. Das Kalenderblatt Juli 2016 widmet sich dem „Neuen Schützenhaus“ in Trebbin. Es entstand am Rande der Stadt, noch außerhalb des Scheunenviertels am Berliner Tor, im Jahr 1911. Prägend ist der weit sichtbare Fachwerkturm mit dem Pyramidendach, der aus dem vielschichtigen Baukörper herauswächst. Architekt war der 1860 in Breslau geborene Architekt und Preußische Baumeister Walter Kern. Nach seinem Studium an der Technischen Hochschule (Berlin-) Charlottenburg und der Technischen Hochschule Wien avancierte er zum Bauinspektor. Nach seiner Ernennung zum Baurat entwarf er öffentliche Bauten, aber auch private Wohnhäuser in Berlin und Brandenburg.

Das „Neue Schützenhaus“ in Trebbin steht beispielhaft für die Heimatschutzarchitektur, deren Stil sich Kern anschloss. Ziel dieses Stils, der sich kurz nach der Jahrhundertwende etablierte, war die Weiterentwicklung des Historismus mit traditionellen, regionaltypischen Bauformen. Der Zweck war es, die alte Formensprache wieder aufzunehmen, um damit die traditionelle Bauweise und das Handwerk zu fördern. Das Vereinswesen und der architektonische Heimatstil verkörperten zudem ein äußerst romantisches Lebensgefühl als Gegenentwurf der sich ankündigenden rasch wachsenden Industrialisierung.

Die hell verputzten, mit einander verbundenen Baukörper des „Neuen Schützenhauses“ werden an wichtigen Stellen wie dem Eingangsbereich und über den großen Fensteröffnungen des Festsaals durch Ornamentfelder hervorgehoben. Der über dem Hauptportal in einem Baum stehende Jäger, der einem Hirsch nachstellt, erinnert an alpenländische Vorbilder. Gerade dort waren viele Schützengilden beheimatet. Eine Aufnahme kurz nach der Fertigstellung zeigt, dass der alles überragende Turm mit seinem Fachwerk und der Holzverbretterung als Landmarke an längst vergangene Zeiten erinnert.

Nicht unerwähnt bleiben soll, dass mit der Gründung der DDR aus dem Schützenhaus das Kulturhaus „Solidarität“ wurde. Im Erdgeschoss befanden sich der Tanzsaal mit seinem holzverkleideten Tonnengewölbe, eine Gaststätte und ein Jugendclub. Im Archiv der Heimatstube Trebbin findet sich u. a. eine Einladung zur Wohnbezirksversammlung am Donnerstag, dem 4. Oktober 1962, um 19.30 Uhr, gezeichnet vom Rat der Stadt Trebbin und dem Ortsausschuss der Nationalen Front. Oder: 1983 wurde aus Anlass des Tages der Republik zu einer „Festveranstaltung der Stadtverordnetenversammlung mit kultureller Umrahmung und anschließendem Tanz“ eingeladen.

Heute trägt das Schützenhaus wieder seinen alten Namen und wird weiter als Veranstaltungsort genutzt.

Quelle: Landkreis Teltow-Fläming

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