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Teltow-Fläming: Gewalt hat viele Gesichter

Pressemeldung vom 15. November 2011, 16:17 Uhr

Es gibt sie in allen Teilen der Welt und auch dort, wo man sie vielleicht am wenigsten vermutet – in der Familie. Das Zuhause, für viele der Inbegriff von Frieden und Sicherheit, ist vor allem für Millionen Frauen ein Ort des Leidens, wo ihnen Missbrauch, Folter und sogar Tod drohen.

Seit vielen Jahren bieten Frauenhäuser, Zufluchtswohnungen und Beratungsstellen Hilfe für Frauen und Kinder an. Das ist auch im Landkreis Teltow-Fläming so.
Hier haben sich Frauenhäuser, Beratungsstellen, Gleichstellungsbeauftragte, Vereine für den Opferschutz wie WEISSER RING, TRAUdichMA e. V., Opferperspektive e. V., die Opferberatung Potsdam und die Opferschutzbeauftragte der Polizei gut vernetzt und halten zahlreiche Hilfsangebote vor. Zu den wichtigsten Maßnahmen zählen Aufklärung und Präventionsarbeit. Dazu bietet der internationale Gedenktag gegen Gewalt an Frauen, der seit 1999 alljährlich im November stattfindet, gute Gelegenheit. Im Landkreis Teltow-Fläming finden aus diesem Anlass zwei Veranstaltungen am 15. und 17. November 2011 statt.

So gibt es am 15. November 2011 um 19 Uhr im Waldhaus Ludwigsfelde beim Frauenstammtisch eine Lesung mit Katharina Müller. Sie stellt ihr Buch „Echt cool, dass ich noch lebe!“ vor. Darin geht es um Caroline, ein Mädchen, das von seinem Vater ein Pony geschenkt bekommt. In Wirklichkeit ist dieses Geschenk jedoch ein Versprechen: Nie wieder wird er im Vollrausch seine Frau schlagen und seine zehnjährige Tochter dadurch fast zu Tode erschrecken… „Dieser Roman ist der gelungene literarische Versuch, das Erwachsenwerden eines jungen Mädchens in einer gescheiterten Elternbeziehung für Jugendliche – aber auch Erwachsene – greifbar und nachfühlbar zu machen. Äußerst behutsam schildert die Autorin die Eindrücke des Mädchens, seine Albträume und Hoffnungen angesichts der sich steigernden auch körperlichen Auseinandersetzungen der Eltern“, heißt es in einer Rezension. Dort erfährt man weiter, dass das Mädchen beide Elternteile liebt und hofft, durch sein Verhalten das Miteinander der Eltern beeinflussen zu können. Der Selbstmordversuch und die Flucht Carolines aus dem Elternhaus ergeben sich konsequent aus dem Handlungsgefüge. „Auch zeitgeschichtlich ist dieser Roman durch die Einbindung der damaligen Jagd nach den RAF-Terroristen ein wichtiges Dokument, da jugendliche Leser Wirkungszusammenhänge zwischen politischem und privatem Handeln erkennen können.“ Der Eintritt zu der Lesung im Ludwigsfelder Waldhaus, August-Bebel-Straße 2, ist frei.

Unter dem Motto „Gott segne und behüte dich – Mädchenjahre in einem Pfarrhaus“ steht ein Feature von Rosvita Krausz mit theater 89. Es findet am 17. November um 18 Uhr im Kreistagssaal des Kreishauses in Luckenwalde statt. Auch hier geht es um Gewalt – an einem Mädchen. Beim ersten Mal war sie zehn Jahre alt. Oder sieben? Oder vielleicht doch acht? Wer traumatisiert ist, erleidet den Verlust von zeitlicher Orientierung. So ganz genau kann sie sich auch heute mit 42 Jahren nicht erinnern. Auf jeden Fall weiß sie, wann ihr Vater, der Pastor, sie das letzte Mal vergewaltigt hat. Da war sie 17. Ihr Vater war ein bedeutender Mann, und wenn er sonntags auf der Kanzel stand und von den Zehn Geboten sprach, hatten seine Worte einen guten Klang. Zu Hause war sie besser auf der Hut vor ihm. Wo immer sich eine Gelegenheit bot, bedrängte er sie. Es konnte überall passieren. Selbst wenn die Mutter oder ihre Geschwister in der Nähe waren. Einmal fasste sie sich ein Herz und versuchte, sich ihrem Bruder anzuvertrauen. „Was du da redest“, meinte er. Selbst die Mutter stellte sich blind und taub. Kurz bevor die Verjährungsfrist ablief, strengte sie einen Prozess gegen ihren Vater an. Da begann ihre zweite Traumatisierung.

Auch diese Veranstaltung findet bei freiem Eintritt statt. Im Anschluss besteht die Möglichkeit, mit der Autorin ins Gespräch zu kommen.

Quelle: Landkreis Teltow-Fläming

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