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Teltow-Fläming: Spannende Zeitreise

Pressemeldung vom 19. Januar 2011, 12:33 Uhr

Archäologentag Teltow-Fläming am 20. Februar 2011

Wer neues zur Regionalgeschichte erfahren will, dem sei der Besuch des 14. Archäologentages Teltow-Fläming empfohlen. Er findet am Sonntag, 20. Februar 2011, ab 9.45 Uhr in der Aula des Schulzentrums „Baruther Urstromtal“, Waldweg 1, in Baruth/Mark statt. Einlass ist ab 9 Uhr. Veranstalter ist einmal mehr die Untere Denkmalschutzbehörde des Landkreises Teltow-Fläming – dieses Mal in Zusammenarbeit mit der Stadt Baruth.

Bei der diesjährigen Auflage des Archäologentages stellen insgesamt acht Vorträge die aktuellen Ausgrabungen, Funde und Forschungen des Jahres 2010 vor. Die Themen reichen von der Bronze- über die Eisen- und Slawenzeit bis hin zum Mittelalter und zur Neuzeit.

Das Jahr 2010 war aus archäologischer Sicht sehr erfolgreich. An vielen Orten im Landkreis Teltow-Fläming stieß man auf außergewöhnliche Funde, die die Regionalgeschichte bereichern. Unter anderem darüber werden die Experten auf dem Archäologentag Teltow-Fläming berichten.

Große Bauvorhaben führten zu großflächigen Ausgrabungen, so z. B. im Vorfeld des Neubaus für die B101 nördlich von Kloster Zinna auf einer Siedlung der römischen Kaiserzeit. Auf einer Fläche von 140 x 30 m wurden Reste von 25 kleinen Häusern, zahlreiche Feuerstellen, Abfallgruben und Pfostengruben freigelegt und dokumentiert. Die Siedlung bestand im 2. und 3. Jahrhundert nach Christus und nahm eine größere Fläche direkt an der Nuthe ein.

In Kleinbeeren wurde für Entwässerung der neuen Dorfstraße ein Regenrückhaltebecken nahe der Kirche angelegt. Am Rand der Grube stieß man auf die Fundamente eines mittelalterlichen Feldsteinkellers, der noch gut erhalten war und den Eingangsbereich erkennen ließ. Die Gemeinde Großbeeren entschloss sich, den Befund sichtbar zu machen. Nach Verfüllung der Kellergrube wurde der Grundriss an der Oberfläche durch Feldsteine rekonstruiert und eine „Bodenintarsie“ geschaffen, die jedermann besichtigen kann.

Die Nuthe war in früheren Zeiten eine wichtige Lebensader für die Menschen. Sie diente als Transportweg, spielte eine wichtige Rolle beim Fischfang und der Jagd auf Wasservögel und stellte ein lebensnotwendiges Wasserreservoir dar. Von daher wundert es nicht, dass sich an den Gewässerrandlagen ur- und frühgeschichtliche Siedlungsplätze häufen.

Heute verzeichnen wir für das Land Brandenburg sinkende Grundwasserstände und eine Versteppung der Landschaft. Um diesem Prozess gegenzusteuern, sollen im Rahmen der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie Flusssysteme renaturiert werden. Durch die geplanten Erdeingriffe sind vielfach archäologische Fundstellen betroffen. Im Rahmen einer Prospektion wurden entlang der Nuthe etliche Bodendenkmale neu entdeckt, worüber Björn Rauchfuß berichten wird.

Am Lauf der Nuthe wurden seit dem Mittelalter auch zahlreiche Mühlen und dazugehörige Staue angelegt. Am Nordrand von Kloster Zinna gelang Oliver Damm die Entdeckung und Ausgrabung einer neuzeitlichen Walkmühle, die der Verarbeitung von Geweben diente. Das Walken diente dazu, frisch gewebte Tücher durch Stoßen, Strecken und Pressen zu reinigen und an der Oberfläche zu verfilzen, damit sie dichter und geschmeidiger werden. Wahrscheinlich wurden in der Mühle Tücher verarbeitet, die in der Webersiedlung Zinna gefertigt wurden. Schon vor einigen Jahren wurde bei Jüterbog eine mittelalterliche Wassermühle ausgegraben. Beide Mühlengrabungen sind einzigartig für das Land Brandenburg und stellen Highlights für die Technik- und Produktionsgeschichte dar.

Im Rahmen einer Lehrgrabung der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft wurde am Nordrand des Siethener Sees eine archäologische Fundstelle untersucht, die durch landwirtschaftliche Nutzung stark beeinträchtigt ist. Dem Ausgrabungsteam unter der Leitung von Dr. Thomas Schenk gelang die Untersuchung eines Hausstandortes aus der Römischen Kaiserzeit, wobei die grubenartige Verfüllung außergewöhnlich viele Keramik- und Knochenfragmente enthielt.

Auch Baruth und Luckenwalde sind für Überraschungen gut: Bei den Sanierungsarbeiten am Alten Schloss von Baruth fand sich das Fundament eines spätmittelalterlichen Baukörpers mit Schießscharten. Noch tiefer legten die Archäologen um Olaf Brauer die Reste eines großen hölzernen Gebäudes frei, welches in das 12. Jahrhundert datiert. In Luckenwalde wurden beim Bau eines Einkaufsmarktes urgeschichtliche Keramikscherben entdeckt, die zu einer bis dahin unbekannten Siedlung der vorrömischen Eisenzeit (600-50 v.Chr.) gehören.

Treffen der ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger

Im Anschluss an den öffentlichen Vortragsteil treffen sich die Beauftragten für Denkmalpflege. Dieses Ehrenamt üben derzeit 16 Bürgerinnen und Bürger aus dem Landkreis Teltow-Fläming aus. Sie untersuchen und kartieren in ihrer Freizeit bekannte archäologische Fundstellen und sammeln dort Oberflächenfunde (Tonscherben, Feuersteingeräte usw.). Dabei kommt es nicht selten vor, dass sie neue urgeschichtliche Fundstellen entdecken. Oft gelangen so auch Zufallsfunde an die untere Denkmalschutzbehörde in Luckenwalde oder das Archäologische Landesmuseum in Wünsdorf.

Angebot für die Jüngsten

Auch Kinder und Jugendliche sind zum Archäologentag herzlich willkommen. Speziell für sie gibt es ein Schülerquiz mit Preisen und eine Leseecke. Bücherstände mit antiquarischer Literatur zu Archäologie und Geografie, ein Informationsstand der Archäologischen Gesellschaft in Berlin und Brandenburg e. V. und vieles mehr bereichern das Angebot des Archäologentages Teltow-Fläming.

Quelle: Landkreis Teltow-Fläming

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