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Teltow-Fläming: Wenn die Seele schmerzt

Pressemeldung vom 2. August 2012, 16:51 Uhr

Psychische Probleme -auch im Landkreis Teltow-Fläming keine Seltenheit

Sommer, Sonne, Licht… Wer meint, dass psychische Erkrankungen in dieser hellen Jahreszeit seltener vorkommen als sonst, der irrt. Neun Prozent der deutschen Bevölkerung leiden unter psychischen Störungen, allein fünf Prozent an Depressionen.

Rechnet man die offiziellen Zahlen auf den Landkreis Teltow-Fläming herunter, ergibt sich eine Anzahl von ca. 14.600 Menschen, die an einer psychischen Störung leiden: Das sind zum Beispiel Depressionen, Schizophrenie, Alkohol- oder Drogenabhängigkeit, Sozialphobie, Panik- oder Zwangsstörungen, Demenz oder körperliche Beschwerden, die sich nicht oder nicht hinreichend auf eine organische Erkrankung zurückführen lassen (somatoforme Störungen).

Seelische und psychische Probleme ziehen sich durch alle Bevölkerungsschichten und Altersgruppen. So zeigen zum Beispiel bereits 3,8 Prozent aller Schulanfänger im Landkreis Teltow-Fläming emotionale bzw. soziale Störungen. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels ist es ebenfalls nicht verwunderlich, dass die Beratungen von älteren Menschen mit psychischen Problemen zugenommen haben. Und dazu gehören nicht nur die Demenzen, sondern auch Angststörungen und Depressionen im Alter, die manchmal mit einer Demenz verwechselt werden können.

Das Gesundheitsamt des Landkreis Teltow-Fläming bietet mit dem Sozialpsychiatrischen Dienst, dem Sozialmedizinischen Dienst und der Kinder- und jugendpsychiatrischen Beratung eine Anlaufstelle für Kinder und Erwachsene, die sich in seelischen oder psychischen Krisen befinden. Aber auch Angehörige, die oftmals auch durch die Erkrankung des Betroffenen in ihrer Lebensqualität eingeschränkt sind, werden beraten. Im Jahr 2011 gab es allein im Sozialpsychiatrischen Dienst 4.415 Beratungen im Amt und 1.058 Hausbesuche.

Wer Rat und Hilfe sucht, der kann sich an eine der genannten Stellen wenden (Kontakt siehe unten). Außerdem ist im Internet auf der Homepage des Landkreises der „Wegweiser Gesundheit und Soziales“ zu finden, in dem Angebote zur psychosozialen Versorgung von Beratungsstellen über Tagesstätten bis zu Kliniken aufgeführt sind. Dazu bitte unter www.teltow-flaeming.de<http://www.teltow-flaeming.de> in die Stichwortsuche das Thema Wegweiser Gesundheit und Soziales eingeben.

Häufigkeiten

Manche psychische Störungen treten nur kurzzeitig über Wochen und Monate auf, andere sind längerfristiger. Dann spricht man von einer Chronifizierung. Viele psychische Störungen beginnen vor dem 20. Lebensjahr und bleiben über die gesamte Lebenszeit bestehen. Dazu zählen am häufigsten Angststörungen, Substanzstörungen oder somatoforme Störungen. Einige Störungen, z. B. Depressionen, können jederzeit im Leben auftreten, andere haben einen typischen Beginn. So tritt z. B. Demenz nicht vor dem 40. Lebensjahr auf.

Die Mehrzahl aller Arbeitsunfähigkeitstage pro Jahr ist auf psychische Störungen zurückzuführen, und zwar deutlich stärker bei Männern als bei Frauen. Zwischen 1994 und 2003 stieg die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage wegen psychischer Erkrankungen bei Männern um 82 Prozent, bei Frauen um 57 Prozent. Jedoch werden Männerkrankheiten, insbesondere psychische Erkrankungen, von der Gesellschaft weitgehend tabuisiert. Auch neigen zu ihrer Gesundheit befragte Männer in jeder Altersgruppe zur Selbstüberschätzung.

Generell lässt sich sagen, dass psychische Erkrankungen bei Frauen und bei Männern noch nicht vollständig von der Gesellschaft als tatsächliche Erkrankungen anerkannt werden.

Eine Vielzahl von Faktoren bestimmt den psychischen Zustand eines Menschen. So können sich unter anderem wirtschaftliche, individuelle, familiäre und soziale Faktoren, aber auch biologische Faktoren auf die psychische Gesundheit auswirken.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) weist psychische Erkrankungen als eine führende Ursache für Verlust an Lebensqualität weltweit aus – und zwar mit deutlich steigender Tendenz. Laut verschiedenen Studien sind psychische Störungen keine seltenen Erkrankungen, jeder kann zu jedem Zeitpunkt im Lebensverlauf betroffen sein. Dass es keine Steigerung psychischer Erkrankungen, ausgenommen depressiver Störungen und Suchterkrankungen, gibt, dennoch die subjektive Wahrnehmung anderes vermuten lässt, kann mit der verbesserten Diagnostik und Sensibilität der Helfersysteme zusammenhängen, so Dr. Frank Jacobi vom Institut für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der TU Dresden.

Die WHO definiert psychische Gesundheit folgendermaßen: „Zustand des Wohlbefindens, in dem der Einzelne seine Fähigkeiten ausschöpfen, die normalen Lebensbelastungen bewältigen, produktiv und fruchtbar arbeiten kann und imstande ist, etwas zu seiner Gemeinschaft beizutragen. Somit ist die psychische Gesundheit eines Menschen Voraussetzung, seine Rolle in der Gesellschaft zu finden und zu erfüllen.“

Hier setzen auch die Angebote des Gesundheitsamtes Teltow-Fläming an. Ansprechpartnerin ist Psychiatriekoordinatorin Antje Bauroth, Tel. (03371) 608-3809, E-Mail antje.bauroth@teltow-flaeming.de<mailto:antje.bauroth@teltow-flaeming.de>

Quelle: Landkreis Teltow-Fläming

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