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Wildau: Erinnerung des Ersten Weltkriegs in Wildau

Pressemeldung vom 30. April 2014, 14:48 Uhr

In diesem Jahr gedenken wir an ein besonders einschneidendes, verheerendes Ereignis: der Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Vor 100 Jahren begann die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts, die die Menschen, Gesellschaften und Staaten veränderte. 40 Länder nahmen am Ersten Weltkrieg teil. Die Opferzahl war ungleich höher als in den vorangegangenen kämpferischen Auseinandersetzungen: fast 10 Millionen Soldaten fanden den Tod. Weitere 20 Millionen wurden durch Gas vergiftet oder durch Granaten und Bombensplitter schwer verwundet. Die seelischen und körperlichen Qualen behielten die Kriegsversehrten ihr Leben lang. Anlässlich des Volkstrauertages 2008 hielt der luxemburgische Premierminister Jean-Claude Juncker im Deutschen Bundestag eine Gedenkrede. Seine Worte machten besonders deutlich, wie wichtig die gemeinsame Erinnerung an diesen kollektiven Albtraum nach wie vor ist: „Wer an Europa zweifelt, der sollte Soldatenfriedhöfe besuchen! Nirgendwo besser, nirgendwo eindringlicher, nirgendwo bewegender ist zu spüren, was das europäische Gegeneinander an Schlimmstem bewirken kann.“ An unzähligen Orten in Europa wurden tiefe Narben zurückgelassen, die uns daran erinnern, dass ein friedliches Europa, in dem wir heute leben, keine Selbstverständlichkeit ist. In allen Teilnehmerstaaten gehören die Kriegerdenkmale, die an die gefallenen Soldaten des Ersten Weltkriegs erinnern, zum Landschaftsbild. Eine Beseitigung würde nicht nur das kulturelle Ortsbild trüben, sondern sie löscht ebenso die Erinnerung an die schrecklichen Kriegsgräuel. Über 100.000 Kriegerdenkmale befinden sich heute in Deutschland, ca. 3000-3500 davon in Brandenburg. Das Wildauer Kriegerdenkmal des Ersten Weltkriegs wurde nach 1922 erbaut und befindet sich auf dem Hoherlehmer Waldfriedhof vor der neogotischen Kapelle, die Ludwig Witthöft errichtete. Zentral befindet sich ein Hügel aus Findlingen, die von den Feldern aus der Umgebung stammen und wahrscheinlich unmittelbar nach Kriegsende an der heutigen Stelle platziert wurden. Im Uhrzeigersinn sind vierzehn massive Zementblöcke kreisförmig angeordnet. Die Stelen tragen jeweils neun rote Tontafeln. Darauf befinden sich die Namen der 105 gefallenen Soldaten unserer Stadt mit Sterbedaten. Allerdings sind mittlerweile zwei Namenstafeln durch Witterungseinflüsse zerstört. Die roten Tonplatten sollen an die heimischen Ziegeleien erinnern, die es in Hoherlehme einst gab. Der Aufbau des Wildauer Kriegerdenkmals erinnert an die Hügelgrabanlagen der Jungsteinzeit. Die oberirdisch sichtbaren Megalithanlagen waren als dauerhafte Grabarchitekturen konzipiert und spiegelten die menschliche Auffassung von Leben nach dem Tod wieder. Demnach stellten die Hügelgräber die Wohnung der Toten für die Ewigkeit dar. Bei den Megalithgräbern befand sich zentral das Grabgebäude, das aus mehreren Findlingen zusammengesetzt war. Findlinge sind beständige Materialien und symbolisieren eine Dauerhaftigkeit. In den Grabkammern wurden die Toten beigesetzt. Die typischen Kammern sind bei dem Wildauer Kriegerdenkmal nicht vorhanden, da es sich nicht um eine Sammelgrabanlage handelt. Möglicherweise wurden die frühgeschichtlichen Hünen- bzw. Hügelgräber als Anregung für die Umsetzung eines Kriegerdenkmals zum Vorbild genommen. Aus künstlerischer sowie kunsthistorischer Sicht spiegelt das Denkmal eine wertvolle Anlage dar. Mit den Jahren sind allerdings die Stelen durch Frosteinwirkungen bzw. Witterungsverhältnisse teilweise stark angegriffen. Eine Instandsetzung und Würdigung der Anlage sind unbedingt notwendig und längst überfällig, da derartige Kriegerdenkmale im Landkreis Dahme-Spreewald und auch in den Nachbarlandkreisen nicht existieren.
Lina Gebhardt, Bundesdienstleistende

Quelle: Öffentlichkeitsarbeit & Stadtmarketing der Gemeindeverwaltung Wildau

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